Grenze zwischen Wildnis & Zivilisation
alcimia - hic et nunc » Archiv von 'Jan, 2011'

Cannabis-Anbau erlaubt? bislang unkommentiert...

Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) muss neu entscheiden.

Diese Info stammt “druckfrisch” vom BDH (Bund Deutscher Heilpraktiker)!

Das kölner Verwaltungsgericht gab
der Klage eines an Multiple-Sklerose erkrankten Patienten auf Erteilung einer Erlaubnis zum Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken teilweise statt. Gleichzeitig verpflichtete es das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), neu über die Erlaubnis zum Anbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken zu entscheiden.

Der Kläger, der seit 1985 an Multipler Sklerose erkrankt ist, verlangt vom BfArM die Erlaubnis Cannabis zu therapeutischen Zwecken anbauen zu dürfen. Der jahrelange regelmäßige Cannabiskonsum des Klägers hat –nach Ansicht der behandelnden Ärzte-günstige Effekte auf die mit seiner Erkrankung verbundene Ataxie. Aus medizinischen und wirtschaftlichen Gründen sieht der Kläger die von seiner Krankenkasse nicht übernommene Therapie mit Dronabinol bzw. mit Cannabis-Extrakt nicht als Alternative an. Aus diesem Grund beantragte er eine Erlaubnis nach dem Betäubungsmittelgesetz zum Eigenanbau von Cannabis.

Erlaubnis für Cannabis-Anbau verstösst gegen internationales Suchtstoffübereinkommen
Das BfArM versagte diese Erlaubnis mit der Begründung sie verstoße gegen das internationale Suchtstoffübereinkommen. Außerdem habe der Kläger keine Sicherungsmaßnahmen in seiner Wohnung, um den Zugriff Dritter sicher zu verhindern. Ebenso sei der selbst angebaute Cannabis zur medizinischen Versorgung des Klägers ungeeignet, da die Wirkstoffsqualität nicht nachgewiesen sei.

BfArM hat Ermessensspielraum
Das Gericht folgte dieser Auffassung jedoch nicht, die ablehnende Entscheidung des BfArM sei rechtswidrig war.
Es lägen keine zwingende Versagungsgründe vor, die Sicherungsmaßnahmen seien ausreichend. Des weiteren belege der jahrelange Eigenanbau, dass der Kläger sich durch das eigenangebaute Cannabis nicht schädige.

Das BfArM habe auch bei einem Verstoß gegen das internationale Suchtstoffabkommen einen Ermessensspielraum. In diesem seien auch die Interessen des Klägers angemessen zu berücksichtigen. Bisher habe die Behörde dieses Ermessen nicht ordnungsgemäß ausgeübt, da sie ausschließlich darauf abgestellt habe, dass eine Vertragsverletzung dem Ansehen der Bundesrepublik schade, ohne den gegenwärtigen Gesundheitszustand des Klägers berücksichtigen. Dies könne durchaus zu einer anderen Entscheidung führen.

Verwaltungsgericht Köln, Urteil vom 21.01.2011
[Aktenzeichen: 7 K 3889/09]

Phytotherapie & Heilpflanzenkunde 2011 bislang unkommentiert...

Ein neues Jahr und eine neue – sehr nette – Phytogruppe startete am letzten Wochenende. Hohe Erwartungen oder “einfach nur” mehr über unsere wunderbare Welt der Heilpflanzen zu erfahren, sind natürlich auch Themen gewesen.

Wer an der alcimia heilpflanzenkundig werden möchte, kommt ohne praktische Erfahrungen zu sammeln, nicht davon! Dazu gehört auch die Bestimmung von Qualität und Aussehen der Drogen. Dabei stehen den Schülerinnen und Schülern mehr als 70 Heilkräuter aus kbA und über 120 verschiedene ätherische Öle zur Auswahl. Genug für ein Jahr oder?!!

Ich wünsche uns viel Freude mit den Pflanzen – im Klassenraum und in der Natur.

Eibisch…noch mehr Schleime 6 comments

Eibischwurzel = Althaea officinalis


“Die Wurzel in Wein gesotten und getrunken,hilft gut gegen innere Verletzungen, die von Schlägen, Stößen und Stürzen herrühren.” Lonicerus

Die Eibischwurzel hat eine durchweg “erweichende” Eigenschaft und Wirkung. Der hohe Gehalt an komplexen Polysacchariden (Schleimen) macht die Eibischwurzel zu einer wertvollen Pflanze bei allen schmerzhaften Entzündungen, sowohl in der innerlichen als auch äußerlichen Anwendung. In der Volkheilkunde nutzte man Kataplasma – die auf Abszesse gelegt – eine sogenannte “eröffnende” Wirkung aufweisen. Auch rühmt man die Anwendung von Auflagen bei innerlichen Verletzungen, wie Hernien oder stumpfe Traumen. Schwerlich vorzustellen, aber ein Versuch schadet ja nicht…

In der Phytotherapie wird die Eibischwurzel hauptsächlich bei Atemwegserkrankungen, wie trockener Reizhusten und Rachenentzündung eingesetzt. Die wertvollen Schleime der Eibischwurzel legen sich schützend auf die Rachenschleimhaut und lindern auf diese Weise den Entzündungsschmerz wobei gleichzeitig der Heilungsprozess unterstützt wird.

Die Linde – Mutter des Chiron bislang unkommentiert...

Lindenblüte

Die Linde ist die vor Scham über ihren Sohn Chiron verwandelte Tochter des Okeanos mit Namen Philyra. So kann die Linde zurecht – neben Artemisia – als “Mutter aller Pflanzen” bezeichnet werden. Die Linde enthält in ihrem Hochblatt bis zu 10% Schleimstoffe in unterschiedlicher Zusammensetzung. Sie wirkt vor allem hustenreizlindernd und abwehrsteigernd! Besonders gut bekömmlich sind Lindenblüten in Kombination mit Holunderblüten. Desweiteren enthalten Lindenblüten Flavonoide, Gerbstoffe und sehr wenig ätherisches Öl. Sie können auch in eine Entspannungsteemischung für den Abend gegeben werden und es sind keine Nebenwirkungen bekannt. Die entspannende Wirkung reicht bis auf das Verdauungssystem und ist eine willkommene Abwechslung zu den bekannten Karminativa wie Fenchel, Anis oder Kümmel. Speziell unsere Kleinen, die im Winter alle Nase lang eine Erkältung aus dem Kindergarten nach Hause bringen, mögen den Lindenblütentee oft lieber, als die oft zu stark mit Fenchelfrüchten versehenen Fertigmischungen.

Polysaccharide: Pflanzliche Schleimstoffe 1 comment

Schleimstoffe sind in der Pflanzenwelt sehr weit verbreitet. Es gibt mehr Variationen von Schleimsubstanzen als Proteine. Dies liegt an der Variationsvielfältigkeit der Monosaccharid-Bausteine und deren Verbindungen die sie untereinander knüpfen.

In der Natur bestehen Kohlenhydrate zu ca. 90% aus Polysaccharide. Sie dienen Pflanzen als Energiereserve und stellen einen Hauptfaktor in der Strukturbildung und Formgebung dar, was wir uns bei der Cellulose und Stärke gut vorstellen können.

Aber, neben der Bildung (und vielfacher Nutzung der Industrie) von Cellulose, Stärke oder Gelen, vermögen Schleimstoffe noch sehr viel mehr!

Die Wurzel des Löwenzahns (Taraxacum off.) enthält im Herbst einen besonders hohen Gehalt an Inulin und stellt für die Pflanze eine wichtige Nährquelle in der kalten  Jahreszeit dar. Inulin gehört zu den sogenannten Fructanen, die ihrerseits den Polysacchariden zugeordnet werden. Somit ist Inulin letztlich auch ein Schleimstoff.

Inulin ist ein Präbiotikum. Dies bedeutet, es ist in der Lage die Vermehrung von Bifidobakterien im Darm zu fördern was widerum pathogenen Keimen das Leben schwer macht. Denn mit Hilfe des Inulins verändert sich das Darmmilieu zu Gunsten der “positiven” Bakterien und das ist eine der wichtigsten  Grundlagen für ein starkes Immunsystem.

Die Polysaccharide der klassischen Schleimdrogen, wie Eibischwurzel, Isländisch Moos oder Lindenblüten, kennzeichnen sich durch die Löslichkeit ihrer Schleime in heißem oder kaltem Wasser aus. Entgegen älteren Angaben, Schleime aus Drogen (also getrocknetem Pflanzenmaterial) nur in kaltem Wasser auzuziehen, weil dieser sich nur in niedrigen Temperaturen löst, ist nicht mehr haltbar, denn Schleime lösen sich durchaus auch in heißem Wasser.

Speziell die Polysaccharide des Isländisch Moos sind nur in heißem Wasser löslich!
Die Schleimfraktion der Eibischwurzel ist allerdings reich an Stärke. Soll diese nicht  in den Tee übergehen, ist es günstiger den Eibischwurzeltee kalt auszuziehen.

Anwendungsmöglichkeiten:

Die Hauptindikationen für Schleimdrogen sind Entzündungen im Mund und Rachen, sowie trockener Husten, Erkältung und Erkrankungen oder Störungen des Verdauungstrakts.

Sehr unangenehm und schmerzhaft ist eine Rachenentzündung (hier ist nicht die  Angina tonsillaris -Mandelenzündung- gemeint!) die mit einer geröteten und hitzigen Rachenschleimhaut einhergeht. Ein Tee aus der schleimhaltigen Wurzel des Eibisch (Althaea officinalis) lindert den Entzündungsschmerz und ist in Kombination mit Fenchel- und Anisfrüchte, die für einen besseren Geschmack sorgen, sogar für Kinder geeignet.

Überhaupt ist es günstig in der dunklen Jahreszeit es sich zu einer guten Gewohnheit werden zu lassen, einen heißen Kräutertee vor dem Gang zur Arbeit oder in die Schule zu genießen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich erstaunt bin, wie gerne meine Kinder mittlerweile zusätzlich  am späten Nachmittag eine Tasse Tee mit Honig trinken. Ihr Favorit für diese Saison ist folgende Mischung:
Anisfrüchte 60 g
Fenchelfrüchte 40 g
Süßholzwurzel 20 g
Holunderblüten 35 g
Thymianblätter 85 g

Aber ich schweife ab…zurück zu den Polysacchariden.
Auf die Schnelle noch eine traditionell genutzte Pflanze, die eigentlich gar keine ist: Isländisch Moos (Cetraria islandica). Dieses Urgestein ist eine Symbiose aus Alge und Pilz!  Unsere nordischen Vorfahren litten unter häufigen Atemwegserkrankungen, weshalb das Isländische Moos sowohl beim Menschen als auch beim Tier häufig gebraucht wurde. Neben bis zu 50 % Schleimstoffe enthält Isl. Moos auch Bitterstoffe. Es schützt also zum einen angegriffene Schleimhäute des Verdauungstraktes und regt zugleich die Aktivierung des körpereigenen Immunsystems  an. Unsere Vorfahren gaben den Wöchnerinnen gerne Isl. Moos, das in Brot eingebacken wurde, zu essen. Es kräftigt die Frauen nach der Geburt und lässt die Milch für das Frischgeborene noch nahrhafter werden.

Viele weitere Pflanzen bergen Schleimstoffe in sich. Hier ein Frühjahrsgruß vom Huflattich.

Huflattichblüte

Seitenanfang