Esst me(e)hr Rettich !!
»Denn eure Nahrung soll eure Medizin sein!« pflegte Paracelsus zu sagen und in Zeiten von Karl dem Großen hatte jeder der im Besitz eines Gartens war, Heilpflanzen zum Schutz vor Krankheiten anzupflanzen.
Die Heilkräfte des Meerrettichs sind bereits seit der Antike bekannt. So tönte es aus dem Orakel zu Delphi: »Radieschen ist sein Gewicht in Blei wert, Rettich in Silber, aber Meerrettich in Gold«.
Unsere Vorfahren dachten noch sehr viel praktischer. Das Labor wurde noch Küche genannt und Schnittwunden mit Kräutern, die gerade zur Hand waren, versorgt.

Der Meerrettich (Armoracia rusticana) eignet sich zwar nicht zur Versorgung einer Wunde, dennoch ist er ein wahrer Tausendsassa bei äußerlichen und innerlichen Schmerzen oder Infektionen. Die scharfe Wurzel, die vermutlich aus den Steppen des östlichen Russlands zu uns nach Europa kam, enthält eine Reihe wertvoller Inhaltsstoffe. So zum Beispiel die Vitamine B1, B2 und B6 –Nervenfutter gegen den täglichen Stress. Außerdem enthält der Meerrettich doppelt so viel Vitamin C wie eine Zitrone.
Bekannt ist der Meerrettich allerdings für seine unverwechselbare Schärfe, die ihm Mutter Natur zum Schutz vor Fressfeinden mit auf den Weg gab. Verantwortlich hierfür ist der Wirkstoff Sinigrin, ein Senfölglycosid, das erst durch Enzymspaltung durch das Kauen im Mund aktiviert wird und für den scharfen Geschmack verantwortlich ist.
In der klassischen Pflanzenheilkunde ist der Meerrettich kein Unbekannter und wird immer dann eingesetzt, wenn eine verstopfte Nase und Husten die Atemwege belasten. Die in der Wurzel befindlichen Senföle wirken antibakteriell und können erfolgreich gegen Infektionen eingesetzt werden. Als »natürliches Antibiotikum« verringert Meerrettich die Zahl der Erreger, ohne dabei den gesamten Organismus zu schwächen. Ob innerlich oder äußerlich angewandt – die Heilkräfte des Meerrettichs sind vielfältig.
Die frisch geriebene Wurzel entfaltet als Kompresse in den Nacken gelegt rasch eine angenehme Wärme, die die Durchblutung fördert und angeschwollene Schleimhäute zum Abschwellen bringt. Die dabei eingeatmeten ätherischen Öle unterstützen diesen Prozess. Ein Versuch bei Migräne schadet ebenfalls nicht.
Innerlich sollte frisch geriebener Meerrettich immer in Kombination mit anderen Lebensmitteln eingenommen werden, da die Senföle die Magenschleimhaut zu stark reizen können. Beispielsweise 1 Esslöffel Meerrettich auf 5 – 10 Esslöffel frisch geriebener Apfel. Allerdings muss dies nicht davon abhalten, den Meerrettich auch bei Verdauungsproblemen in das Ernährungsprogramm aufzunehmen. Er lässt die Zahl der »schlechten« Erreger im Darm sinken und sorgt so für ein Milieu der gesunderhaltenden Mikroorganismen.
Die Meerrettichwurzel wirkt wie eine Reinigungskur von innen.
Der Ursprung des Namens »Meerrettich« liegt übrigens bis heute im Dunkeln. Worin sich Namensforscher jedoch einig sind: etymologisch betrachtet hat er nichts mit dem Meer zu tun.
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