Medikamente erhält man überall, wenn sie benötigt werden. Dennoch ist es ein gutes Gefühl, die passende Arznei im Akutfall griffbereit zu haben.

Anfang Juli habe ich mich in das Abenteuer Vanlife gewagt. Eine Reise mit open end. Dabei habe ich mir bei der Planung natürlich auch Gedanken um die entsprechende Reiseapotheke gemacht. Es sollte nicht zuviel mit, schließlich bietet ein Reisebus nur begrenzten Raum. Dennoch wollte ich sicher gehen, alles wichtige für einen eintreten Notfall griffbereit zu haben. Dabei bin ich nach mehr als zwanzigjähriger Berufserfahrung zur Erkenntnis gelangt, dass natürliche Arzneimittel mindestens genauso gut – in manchen Fällen sogar besser – wirken, als konventionelle Meidkamente.

In diesem Beitrag erfährst du, auf welche naturheilkundlichen Präparate ich auf keiner Reise verzichte.

Deine individuelle Reiseapotheke

Je nachdem, wo dich deine Reise hinführt und welche Aktivitäten du unternehmen möchtest, solltest du auch deine Reiseapotheke individuell zusammenstellen. Das gleiche gilt natürlich auch, wenn du unter bekannten Allergien oder sogenannten “Sollbruchstellen” leidest. Bei mir sind das die Ohren, die ich bei Wind und kühler Wetterlage besonders gut schützen muss, da ich sonst unter Ohren- und Kopfschmerzen leide. Wenn es bei dir der Magen ist und du schnell zu Übelkeit oder Sodbrennen neigst, dann solltest du hier an die entsprechenden Medikamente denken, die du in diesem Beitrag findest.

Die wichtigsten Medikamente für deine natürliche Reiseapotheke

Kopfschmerzen
Manchmal handelt es sich um einen Entspannungskopfschmerz, der kurz nach der Ankunft unseres Reiseziels auftritt. Wenn all die Aufregung langsam nachlässt und der Alltagsstress in Urlaubsstimmung umschwingt, kann ein Entspannungskopfschmerz auftreten, der mit einem ätherischen Pfefferminzöl und etwas Ruhe, rasch nachlässt.

Anwendung: 3 bis 5 Tropfen Pfefferminzöl auf ein Taschentuch geben und leicht inhalieren. Mit dem Taschentuch zusätzlich die Schläfen und den Nacken einreiben.

Achtung: Augenkontakt vermeiden!

Übelkeit
Egal wo dich deine Reise hinführt, du solltest immer eine Tinktur mit Bitterstoffen bei dir haben. Am besten in Form eines Fertigpräparats, wie etwa: Solunat Nr. 19 von Soluna, Imperatoria (Meisterwurz) von Ceres, oder Amara-Tropfen von Weleda. Bitterstoffe lindern nicht nur die Übelkeit, sondern wirken gleichzeitig kreislaufstabilisierend und beruhigen den Verdauungsapparat.

Anwendung: Du kannst bei Übelkeit 3-4 Mal täglich einige Tropfen auf der Zunge zergehen lassen. Auch hier hilft das Inhalieren von ätherischem Pfefferminzöl (z.B. von aspuraclip fresh).

Achtung: Bitterstoffe dürfen nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden, da sie die Gebärmutter anregen. Ausserdem ist von einer Einnahme abzuraten, wenn du unter Gallensteine leidest.

Sodbrennen
Bei den Minimalisten ist Natron ein fester Bestandteil der Haushalts- und Körperpflege (zum Herstellen für Deos und Zahnpasta usw.). Doch die wenigsten verwenden es bei Sodbrennen. Dabei kenne ich kein anderes Mittel, das so rasch und ohne Nebenwirkungen, Sodbrennen sofort lindert.

Anwendung: Hierfür eine gute Messerspitze Natron einnehmen und mit einem großen Glas Wasser (Körpertemperatur) herunterspülen. Das Wasser ist wichtig, damit die Magensäure mithilfe des Natrons neutralisiert werden kann. Deshalb ist es wirklich wichtig, ein großes Glas Wasser nach der Einnahme zu trinken. Das darauffolgende “Aufstoßen” ist völlig normal und zeigt an, dass die Magensäure erfolgreich neutralisiert wurde.

Durchfall
Hierbei möchte sich der Körper von Giftstoffen und Keimen befreien. Die Pflanzenwelt hält zahlreiche Gerbstoffe parat, die einerseits unangenehmen Durchfall lindern und gleichzeitig vorhandene Keime im Darm binden können, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Da der Körper bei Durchfall (Diarrhoe) wertvolle Flüssigkeit verliert, ist ein Tee die beste Wahl. Gut verträgliche Heilpflanzen sind: Frauenmantel, Himbeerblätter und Gänsefingerkraut. Entweder kannst du dir aus den einzelnen Heilpflanzen einen Tee zubereiten, oder dir vor Reiseantritt einen Tee in der Apotheke anmischen lassen:

Teemischung bei Durchfall:
10 gramm Himbeerblätter (mild stopfend, bindet Keime)
20 gramm Gänsefingerkraut (mild stopfend und krampflösend, bindet Keime)
20 gramm Kamillenblüten (krampflösend und keimhemmend)

Anwendung: 1-2 TL mit nicht mehr kochendem Wasser übergießen nach 7 – 12 Minuten durch ein Sieb abseihen und 2 – 3 Tassen über den Tag verteilt trinken.

Sonnenbrand und Wunden
Ein qualitativ hochwertiges Aloe-vera-Gel sollte bei einer Reise in die Sonne, in keinem Koffer oder Rucksack fehlen!

Aloevera

Das Gel der Aloe besteht hauptsächlich aus einem Gemisch verschiedener Schleimstoffe (Polysaccharide) mit entzündungshemmenden und wundheilungsfördernden Eigenschaften. Direkt unter der Blattrinde befinden sich Anthrachinone (Aloin), die bei innerer Einnahme stark abführend wirken. Der pure, schleimige Saft der Aloe kann auf wunde Hautstellen wie etwa bei einem Sonnenbrand oder bei Verbrennungen aufgetragen werden. Aloe-vera-Gel ist stark entzündungshemmend, feuchtigkeitsspendend und fördert die Reparatur geschädigter Hautzellen (epithelisierend), weshalb es auch besonders gut für Kinderhaut geeignet ist.

Neben Aloe-vera-Gel, ist Johanniskrautöl eine wertvolle Alternative oder Ergänzung zum Aloe-vera-Gel. Johanniskrautöl (Rotöl) besitzt stark wundheilende und leicht schmerzlindernde Eigenschaften und ist als Auflage oder Einreibungen hilfreich bei Nervenentzündungen, Ischiasbeschwerden und Muskelverspannungen sowie zur Nachbehandlung von Narben und Herpesbläschen. Und natürlich zur Nachbehandlung eines Sonnenbrands und andere Verbrennungen.

Anwendung: Johanniskrautöl (z.B. von Lunasol), dem einige Tropfen ätherisches Lavendelöl (Lavandula angustifolia) zugefügt wird, fördert das Abheilen von Wunden und kann ebenfalls bestens bei einem Sonnenbrand aufgetragen werden.

Verstauchungen und Prellungen
Neben diversen ätherischen Ölen, die ich in einem gesonderten Beitrag vorstelle, gibt es kaum etwas besseres, als Arnika in Form einer Tinktur! Ich verwende seit Jahren die Arnikatinktur von Hetterich.

Anwendung: Du kannst sie einfach mit Waser verdünnen: auf einen Teil Tinktur kommen 5 Teile Wasser. Ein Taschentuch oder eine Mullbinde darin tränken und um die verletzte Körperstelle wickeln. Arnika wirkt schmerzstillend und hilft bei Blutergüssen.

Pflaster und Verbände
Ich habe hier bewusst auf “Nebenutensilien” für die Reiseapotheke verzichtet, da diese ja ohnehin immer mitgeführt werden sollten. Wie du siehst hält die Natur hervorragende Arzneimittel für dich bereit, die genauso leicht zu verwenden sind, wie konventionelle Medizin.